Copyright bei Rezepten

Unterliegen Rezepte eigentlich dem Copyright? Oder kann ich jede Zutatenzusammenstellung aus Koch- und Backbüchern unverändert auf meinem Blog veröffentlichen und mit anderen Menschen teilen? Diese Frage habe ich mir schon vor einer ganzen Weile gestellt, als ich damit begonnen habe, vermehrt Backrezepte auf meinem Blog zu veröffentlichen. Was ist erlaubt und welche juristischen Konsequenzen kann das alles haben? Ich hab euch meine Rechercheergebnisse mal zusammengestellt.

Fotos
Wenden wir uns erst einmal der einfachsten Frage zu. Darf ich fremde Fotos in meinem Blog veröffentlichen? wird klar mir Nein beantwortet. Bilder bzw. Fotos unterliegen dem Urheberrecht und dürfen nicht einfach kopiert und im eigenen Blog veröffentlicht werden. Das bedeutet auch, dass ich nicht einfach ein Rezept mit Bild aus meinem Kochbuch einscannen/abfotografieren und auf meinem Blog öffentlich machen darf.
Stellt man trotzdem fremde Fotos auf seinem Blog aus, kann einem das teuer zu stehen können. 1000€ sind da bei einer Abmahnung schnell beisammen, wie dieser Artikel zeigt.

Zutatenliste
Bei einer Zutatenliste handelt es sich um eine rein tatsächliche Mitteilung, für die keine selbständig schaffende Geistesarbeit benötigt wird. Daher ist nicht von einem Schriftwerk auszugehen, welches die Voraussetzung für den Urheberschutz darstellt. Das bedeutet also, dass ich Zutatenlisten (Zutaten + Mengenangabe) abschreiben und unverändert in meinem Blog veröffentlichen darf.
Das gilt übrigens auch, wenn der Verfasser des Rezeptes ein Copyright setzt. Die Zutatenliste fällt trotzdem nicht unter das Urheberrecht und kann gefahrenlos übernommen werden.

Beschreibung der Zubereitung
Ganz anders sieht es wieder bei der konkreten Anleitung zum Backen oder Kochen aus. Dabei muss unterschieden werden, ob eine individuelle geistige Tätigkeit vorliegt oder nur mechanische Anweisungen gegeben werden. Sieht die Anleitung z. B. so aus: "Tomaten schneiden, in den Topf geben, zerdrücken" liegt keine individuelle geistige Tätigkeit vor und der Text kann wortgetreu übernommen werden. Wird der Text hingegen ausgeschmückt, mit Tipps und Garniervorschlägen versehen oder es werden gar Informationen über die Herkunft des Gemüses angegeben, liegt keine mechanische Anweisung mehr vor und der Text fällt unter das Urheberrecht. Die Zubereitungsanleitung dürfte dann nicht mehr kopiert und auf dem eigenen Blog veröffentlicht werden.
Für die vereinfachte Anwendung bei der Veröffentlichung von Rezepten auf dem eigenen Blog lässt sich folgendes festhalten:
Am besten die Anleitung zur Zubereitung immer in eigenen Worten wiedergeben. Meistens hat man ja doch das ein oder andere verbessern oder hinzuzufügen. Dadurch ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Rezeptsammlungen
Rezeptsammlungen stellen noch einmal einen gesonderten Fall dar. Darunter fallen zum Beispiel Koch- und Backbücher. Das Urheberrecht hat für Sammlungen noch einen extra Schutz vorgesehen, der unabhängig vom vorhergenannten wirkt. Es ist also egal, ob die Zutatenliste nicht geschützt wird, wenn stattdessen aber der Urheberschutz über die Rezeptsammlung greift.
Das heißt also, dass ich nicht einfach irgendein Rezept ohne Erlaubnis aus einem Kochbuch abschreiben darf, ohne dafür eine Erlaubnis zu haben. Eine Ausnahme gibt es allerdings: geringfügige Teile fallen wieder aus dem Urheberschutz heraus und dürfen ohne Erlaub veröffentlicht werden.
Das bedeutet: schreibe ich 99 von 100 Rezepten ab und veröffentliche ich sie in meinem Blog ist das eine Verletzung des Urheberrechts. Veröffentliche ich hingegen nur 1 Rezept von 100 ist dies als geringfügiger Teil zu betrachen und zulässig. Was genau "geringfügig" bedeutet bleibt dabei ungeklärt und ist daher Auslegungssache. Man sollte also vorsichtig sein und den Bogen nicht überspannen, da im Zweifel ein Rechtsstreit doch sehr teuer enden kann.
Übrigens gibt es noch eine weitere Ausnahme: Nach 70 Jahren läuft die Schutzfrist für literarische Werke ab und ab diesem Zeitpunkt darf man dann auch ganze Kochbücher ins Netz stellen.


Mehr findet ihr hier:
Unverbissen Vegetarisch
frag einen Anwalt
iRights

1 Kommentar:

  1. Sehr interessant, aber irgendwie immernoch alles recht vage, was man genau darf oder ab wann dann nicht mehr...
    Bleibt nur wieder die Erkenntnis, dass man auch mit Rezepten vorsichtig sein muss.

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